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Heidelberg, 2.8.2005 70 MORGEN BIS NACH NULL Donaueschingen. „70 Morgen bis nach Null“ ist die ungewöhnliche Solo-Kajak-Wanderfahrt von Martin Fluch von der Quelle bis zur Mündung der Donau. Am 7. August 2005 geht der 44jährige Heidelberger Deutsch- und Sportlehrer im Donaueschinger Stadtpark auf seine 2858 Kilometer lange Reise. Innerhalb von 70 Tagen will er den Kilometer 0 im Donau-Delta erreichen. Auf seiner Reise sucht er Partnerstädte und Partnerschulen, außerdem hat er eine Spendenaktion für Lehrmittel und Bücher einer Schule in Ismail ins Leben gerufen, für die er gefahrene Flusskilometer verkauft. Damit die Bilder dieser ungewöhnlichen Reise auch gut entwickelt und für ein Flusstagebuch zusammengestellt werden können, unterstützt dm - drogerie markt Martin Fluch auf seiner Reise ins Donaudelta. (Martin Fluch startet am 7. August um die Mittagszeit im Donaueschinger Stadtpark) Auf der letzten Sandbank unterhalb von Ismail in der Ukraine steht die Null. Hier mündet die Donau nach 2858 Kilometer ins Schwarze Meer. 2858 ungewöhnliche Kilometer mit einer landschaftlichen und kulturellen Vielfalt, die einmalig ist auf dieser Welt. 70 Morgen bis nach Null ist eine ungewöhnliche Reise auf diesem sensationellen Fluss, auf dem man die Kilometer rückwärts zählt. Kilometer 2858 in Donaueschingen an der Donauquelle im Stadtpark, Null eben auf jener Sandbank im Donaudelta östlich von Ismail. Martin Fluch, 44 jähriger Germanist aus Heidelberg, hat viele Jahre nahe dieser Sandbank gelebt und gearbeitet. In Ismail, einer Stadt im Süden der Ukraine, gleich neben dem Donaudelta mit seiner Null. Zuvor hat er in Heidelberg Sport und Germanistik studiert, in jenem deutschen Bundesland, indem die Donau entspringt. Nun will er diese beiden Lebensabschnitte mit seiner ungewöhnlichen Reise verbinden. 70 Morgen bis nach Null, ist eine nicht alltägliche Solo- Kajak-Wanderfahrt von der Quelle bis zur Mündung der Donau. Eine Fahrt, die durch zehn europäische Länder führt, die Ursprung und Ende verbinden und Menschen und Kulturen zusammen führen soll. Mit dieser Fahrt will Martin Fluch nicht nur diesen Fluss in seiner ganzen Länge erleben, er will auch Städte und Schulen zueinander bringen. So sucht die Einhunderttausend – Einwohnerstadt Ismail in der Ukraine eine Partnerstadt am oberen Lauf der Donau. Die Schule Nummer 16 in Ismail, mit Deutsch als Schwerpunktfach, hätte gerne eine Partnerschule in Baden-Württemberg oder Bayern. Der Bürgermeister von Ismail hat Martin Fluch beauftragt, erste Kontakte herzustellen. Der 44jährige Deutschlehrer will aber nicht nur verschiedene Kulturen an der Donau zueinander bringen. Er hat seine Fahrt auch mit einem guten Zweck verbunden. So verkauft er gefahrene Flusskilometer um damit Lehrmittel und Bücher für die Schule 16 in Ismail zu finanzieren. In seinem Tourtagebuch kann man sich seinen eigenen Streckenabschnitt aussuchen und für einen Euro pro Kilometer dann auch gleich erwerben. (Abdruck honorarfrei. Beleg erbeten an mfluch@web.de )
Hinweis für die Redaktionen: Informationen über Martin Fluch und seine Donaufahrt finden Sie unter
Martin Fluch ist erreichbar unter oder telefonisch unter |
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Nichts andauert lang,
Solo-Kajakwandertour von Donaueschingen zum Schwarzen Meer, ein Symbol für Öffnung und Freundschaft.
70 MORGEN BIS NACH NULL
Außergewöhnliche, extravagante, aufsehenerregende Reisen und Abenteuertrips gibt es heutzutage wohl zur Genüge.
Ein schwerer Anfang
Ein Kind braucht einen Namen. Und gerade das scheint mir so schwer zu fallen, einen geeigneten Namen für dieses Abenteuer, diese nicht gewöhnliche Bootsreise zu finden. Einen aussagekräftigen Namen für ein Unternehmen, das sich aus einem individuellen Abenteuer in eine gesellschaftspolitisch und interkulturell orientierte Expedition transformieren soll. Ein Name, der für die Öffentlichkeit und vor allem für Offenheit steht: Paddeln für Europa – Europa am Ruder? Ideen gibt es zu Hauf, aber wie bei eigentlich jedem mind-mapping gibt es bei den ersten Associationen so manch Lächerliches. Eigentlich dem Hochalpinismus, dem Bergsteigen und –wandern verschrieben bin ich schon vor über zehn Jahren auf diese Idee gekommen, als ich von einem Buch gehört habe, in welchem ein junger Mann über seine Paddeltour von Deutschland bis zum Schwarzen Meer berichtet. Das Buch heißt „60 Tage und 60 Nächte“ und wurde geschrieben von Lothar Günther Buchheim. Eine neue Idee, eine neue Herausforderung sagte ich mir da sogleich. Aber bei der Idee ist es bisher geblieben. Jetzt, im Jahre 2005, nachdem ich acht Jahre in Ismail/Ukraine als Lehrer tätig war, in der größten ukrainischen Donaustadt, 93 Kilometer bevor der Fluss den Kilometer Null erreicht, die Stelle wo er sich ins Schwarze Meer ergießt, jetzt endlich entwickelt sich aus einer Idee ein konkretes Projekt. Verschiedene Gründe haben diese Entwicklung stimuliert, die primär nichts mehr mit einer individuellen Provilierungssucht, einem Sich-zur-Schau-stellen, dem viel zitierten „die eigenen Grenzen kennen lernen wollen“ zu tun haben. Aus der anfänglichen Idee wurde ein Projekt, das nun plötzlich verschiedene Ansätze aufweist.
Ein Projekt mit multifunktionalem Ansatz
1. Die EU-Osterweiterung: Basissatz: Völkerverständigung, Öffnung und Toleranz als ein Zeichen der Zeit.
Seit diesem Jahr liegen vier der EU-Staaten an der Donau und es werden bald sogar schon sechs sein: Deutschland, Österreich, Slowakei, Ungarn, Bulgarien und Rumänien. Kroatien und Jugoslawien befinden sich wohl auf dem Weg und es wird heute in verschieden Ecken auch über die Möglichkeiten der Ukraine diskutiert – sehr intensiv sogar. Aktualität hat dieses Thema allemal, wenn man den diesjährigen Staatsbesuch des neuen ukrainischen Präsidenten Juschtschenko in Deutschland verfolgt (verfolgt hat). Neun europäische Länder durchfließt das Wasser, das in Donaueschingen auf den Weg geschickt wird. Neun EU-Länder? Die Donau ist damit wohl der europäischste aller Flüsse. Dies haben schon die Wittenberger im Jahre 1588 erkannt, als sie Europa in Gestalt einer Herrscherin darstellen ließen und in der die Donau als Schlagader Europas zu erkennen ist: Aktueller denn nie ist diese Allegorie. Sowohl wirtschaftlich als auch kulturell ist der Austausch zwischen der Oberen und der Unteren Donau von größter Bedeutung und mit dem Main-Donau-Kanal sind auch Frankreich und die Beneluxstaaten miteinbezogen. Siehe zum Beispiel die vielversprechenden europäischen Projekte von Tacis und das inter-kulturelle Projekt Donumenta. Man erinnere sich, dass das EU-Jugendorchester im Jahre 2003 mit Musikern aus 15 Länder eine erfolgreiche Tournee durch mehrere Länder unternommen hat und Zeichen für kulturelle Gemeinsamkeiten setzen konnte. Den Intentionen dieser Programme sieht sich auch das Projekt „70 Morgen bis nach Null“ verpflichtet.
2. Die ZfA als Sprach- und Kulturmittler: Basissatz: Sprachen verbinden und Kulturen machen uns reich.
Das Goethe-Institut ist in der Welt in aller Munde und auch der DAAD hat einen hohen Bekanntheitsgrad, äußerst reputierlich. Soll die Zentralstelle für den Auslandsschuldienst (ZfA) darob dem Mauerblümchendasein verbunden sein? Die von der ZfA ins Ausland gesandten Lehrkräfte leisten eine hervorragende Arbeit, die schon jetzt zu einem verstärkten kulturellen als auch wirtschaftlichen Austausch mit Ländern vor allem aus Osteuropa führt. Ein Programm, das von Seiten der Bundesregierung finanziert wird. Und an der Donau liegen viele Standorte, in denen PLKs oder ADLKs arbeiten und deren Dasein nahezu unbekannt ist:
Aber nur wer wahrgenommen wird, wird auch weiterhin von staatlicher Seite angemessen finanziert. Sämtliche ZfA-Standorte an der Donau sollen durch diese Aktion öffentlich-keitswirksam miteinander verbunden werden und der vor allem interkulturelle Aspekt der Arbeit des ZfA-Programms herausgestellt werden. Geplant ist eine intensive Zusammenarbeit mit den Medien. Die Presse in Deutschland, Österreich und Ismail, wie auch Funk und Fernsehen sollen (wenn möglich) über dieses Projekt berichten. Auch die Deutschen Botschaften in sämtlichen Donauländern sollen benachrichtigt sein und werden hoffentlich dort wo es vielleicht nötig ist diplomatische Unterstützung leisten.
3. Reiseziel Donaudelta: Basissatz: Eintreten in die Natur, für die Natur eintreten.
Seit Jahren schon fahren Kreuzfahrtschiffe zwischen Passau und dem Schwarzen Meer, zeigen einer ganz speziellen Klientel die Schönheit der Donau und geben ihnen unterhalb Ismails einen kleinen Einblick in das Naturschutzparadies Donaudelta. Die Internationale Touristische Werbegemeinschaft, Danube Tourist Commission in Wien stellt seit mehreren Jahren Informationen zum Yacht-Tourismus auf der Donau zusammen Yachthäfen, Sportboothäfen, Liegestellen, Campingplätze, Schleusen, Bootsvermietungen etc.), was ein stark steigendes Interesse für das touristische Potenzial der Donau signalisiert. Auch Ismail trägt diesem Zeichen der Zeit Rechnung, wie eines der Großprojekte der Stadt zeigt: Der Bau eines separaten Yachthafens. Aber auch das Donaudelta selbst bietet – clever aber kontrolliert genutzt - unschätzbare Reserven für ein Tourismuskonzept. Eines der größten europäischen Naturschutzgebiete und bei Ornithologen in der ganzen Welt berühmt. Eine unmotorisierte Bootstour von Deutschland zum Schwarzen Meer ist geradezu prädestiniert einen sauberen, naturnahen Tourismus zu Wasser zu vertreten.
4. Jumelange als Zeichen für ein offenes Europa: Basissatz: Zu Zweit sind wir stärker – Ukrainische Perle sucht Deutschen Diamant.
Warum die Stadt Ismail, die durchaus als eine kleine Perle am unteren Lauf der Donau zu bezeichnen ist, bisher noch keine Anstrengungen unternommen hat, einen Freundschaftsbund, eine Städtepartnerschaft mit einer anderen Stadt an der Donau, speziell am oberen Lauf in Deutschland zu suchen, mag zunächst erstaunen. Aber dies liegt zum Großteil wohl auch an den Auswirkungen des Jugoslawienkrieges, die diese Region vom flussaufwärts liegenden Europa abgeschnitten und für längere Zeit nahezu lahmgelegt hatten. Und zuvor waren aufgrund der unterschiedlichen Systeme Kontakte kaum denkbar. Warum allerdings bis dato noch keine Stadt zwischen Donaueschingen und Passau auf die Idee gekommen ist ihre kulturellen Fühler gen Osten auszustrecken, dorthin wo das Wasser der Donau sich in einem traumhaften Delta verliert und schließlich im Schwarzen Meer mündet ist mir unerklärlich. Am Ende meiner Lehrertätigkeit in der Ukraine angelangt, liegt es mir also besonders am Herzen, den Wunsch der Stadt Ismail nach einer Städtepartnerschaft tatkräftig zu unterstützen. Ismail wird in naher Zukunft – sobald Rumänien in die Europäische Union aufgenommen ist – direkt an der EU-Außengrenze liegen und mit der sich schon in konkreter Planung befindlichen Autofähre nach Tulca/Rumänien ein wichtiger Brückenkopf nach Europa, nach Deutschland sein. Die geplante Kajakwanderfahrt von Deutschland zum Schwarzen Meer setzt eine Klammer um Deutschland und die Ukraine und schließt gleichzeitig sämtliche Donauländer mit ein. Dies könnte eine hervorragende Gelegenheit für eine deutsche Stadt sein ein Zeichen zu setzen und ein zartes, aber um so Aufsehen erregenderes Band der Freundschaft zu knüpfen ohne die anderen Nationen auszuschließen. |
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VON MARTIALISCHER GESCHICHTE, MODERNER POLITIK UND MOTIVIERTEN SCHÜLERN
Eine etwas andere Klage, ein anderes Lied will ich euch singen über eine DSD-Schule in den Weiten des Donaudeltas
Stadt – Land – Fluss
Wer kennt es nicht, dieses bei Schülern seit Generationen beliebte Spiel, das nicht nur in Pausen, sondern auch während so manchem Unterricht nicht nur von den Knilchen in den letzten Bänken gespielt wird. Und wenn der Buchstabe D zur Lösung ruft, dürfte wohl der meistgenannte Fluss die Donau sein. Bessarabien könnte vielleicht, aber nur vielleicht ein sehr belesener Schüler als Land dem B zuordnen. Aber wer um des Himmels willen kommt bei I auf die Stadt Ismail. Egal welche Enzyklopädie man bemüht, es wird überall ein informelles Missverhältnis bezüglich der Lemmata Donau, Bessarabien und Ismail bestehen. So lasst uns zusammen nach Bessarabien, nach Ismail reisen, die Donau hinunter, einst die Reise der deutschen Ahnen, die für Hölderlin den nostos hin zu den Tagen des Sommers, zum Land der Sonne, Hellas und Kaukasus bedeutete, dorthin wo einst Ovid in der Verbannung lebte, dort wo, nicht weit von Ismail, die Argonauten auf ihrer Rückkehr von Kolchis ankerten, durch eine Landschaft am Ende des Donaulaufes, welcher Panait Istrati in seinen Werken ein unvergängliches Denkmal setzte. Dort, am Ende einer kulturdurchtränkten Reise bildet die Donau, nach Durchqueren des circa zwanzig Kilometer breiten, versumpften und seenreichen Gebietes der Balta, unmittelbar bevor sie ins Schwarze Meer mündet, ein viertausend Quadratkilometer großes, weithin mit Schilf bedecktes, vogelreiches Delta. Das größte, bei Ornithologen weltweit berühmte und vom WWF betreute Naturschutzreservat Europas. Dies alles vor den Toren Ismails, der größten Stadt im geheimnisvoll klingenden, geschichtsträchtigen Bessarabien. Schon von Skythen bewohnt und für längere Zeit in lockerer Abhängigkeit von Rom, war dieses Gebiet von der Völkerwanderung bis zum frühen Mittelalter Durchzugsgebiet verschiedenster Volksstämme. Die Dynastie der Bessarab herrschte ab dem dreizehnten Jahrhundert über diesen Landstrich – daher der Name -, anfangs zur Walachei, später zum moldawischen Fürstentum gehörend. Seit Ende des fünfzehn-ten Jahrhunderts herrschten die Türken über Bessarabien, bauten die dortige Siedlung zu einer gigan-tischen Festung aus und gaben ihr den noch heute geltenden Namen Ismail, was auf türkisch `Gott, höre mich´ heißt. Als mächtigste Festung Europas und uneinnehmbar galt damals die Stadt. Und welch Verlust für das heutige Ismail, dass keine Mauer und kein Wehrgang, weder Turm noch Trümmer heute zu sehen sind, welch Touristenattraktion könnte es für diese Gegend sein. Nach dem Pariser Vertrag wurde im neunzehnten Jahrhundert die Festung bis auf den letzten Stein abgetragen. Einzig eine Moschee steht noch am Ufer der Donau. In ihr ist ein riesiges, dreidimensional angelegtes Gemälde zu bestaunen, welches die Eroberung der Stadt durch russische Truppen unter der Führung des schon in Tolstois Krieg und Frieden blutvergießenden Feldmarschalls Alexander W. Suworow plastisch und mit Kommentar unterlegt darstellt. Und bis in die Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts gingen Eroberungen, Rückeroberungen, Mord und Totschlag weiter. Doch kommt man heute als Deutscher nach Ismail, gar als deutscher Lehrer in die Stadt, dürften primär andere Dinge als seltene Vögel und Kanonendonner von Interesse sein. Es ist ein vielschichtiger Kultur- und Nationalitätencocktail und die daraus zu nippende Gastfreundschaft, die den Besucher empfangen, so dieser nicht nur einen Tag bleibt und nicht nur an der Oberfläche sch(l)ürft. Vieles hat sich hier, wie in allen ehemaligen Sowjetgebieten, geändert. In den letzten sieben Jahren haben sich mehrere Dekaden gedrängt. Viel Gutes ist geblieben und so manch Erfreuliches kam hinzu. War es einst ein ausgebauter Wohnwagen im Park des Suworow-Prospektes, welches ein neues gastronomisches Highlight darstellte, kann man sich heute nicht mehr entscheiden, wohin man gehen und was man essen soll. Allgemein hat sich die Lebensqualität erhöht, erstaunlich verbessert haben sich die Rahmenbedingungen. Es gibt Strom, den ganzen Tag, sogar in den Wintermonaten und es ist geradezu eine Seltenheit geworden, dass nur Luft aus dem Wasserhahn kommt. Ismail ist eine moderne, von Studenten geprägte und sowohl bezüglich Kommerz als auch Kultur aufstrebende Stadt. Davon zeugen vielfältige Projekte: Eine Autofähre über die verzweigten Donauarme nach Tulca in Rumänien, die Wiederinbetriebnahme und der Ausbau des Flughafens, ein neues, großes Kulturzentrum mit Theater und ein gigantischer Freizeitpark sind Eckpfeiler eines groß angelegten Ge-samtprojektes. Zugegeben, die allerschönste Stadt ist es nicht, nicht der Landschaften spektakulärste. Es ist eher das Angenehme des Familären und die Größe der versteckten Ästhetik, die Stadt und Umgebung prägen. Und die frische Atmosphäre einer über acht Monate sich in tiefes Grün kleidende Stadt. Oft und fast überall fühlt man sich von Frühlingsanfang bis Herbstesende in einem grenzenlosen Park. Hier ist man Mensch, hier kann man sein.
Deutsch – die große Sprache zwischen Alpen und Schwarzem Meer Mehr als 100 Millionen Menschen sprechen Deutsch als Muttersprache, hinzu kommen ungefähr 50 Millionen Sprecher in anderen Ländern, die Deutsch als Mutter- oder Zweitsprache sprechen. Vor allem entlang der Donau, bis hinunter nach Bessarabien finden sich unzählige Sprachinseln von Auswanderern des neunzehnten Jahrhunderts. Nach dem russisch-türkischen Krieg ließ Katharina II. die neuen Gebiete von Deutschen besiedeln. Zwischen 1817 und 1840 kam es zu einer regelrechten Massenbewegung, welche vor allem Bauern die Donau hinab bis Bessarabien spülte. Deutsch hat also Tradition in dieser Gegend. Und so ist es nicht verwunderlich, dass es mit der Schule Nr. 16 in Ismail eine Schule gibt, die DaF ab Klassenstufe 1 anbietet. Den Schülern fällt der erste Zugang zu dieser Fremdsprache nicht allzu schwer, obwohl Deutsch und Russisch nicht gerade sehr eng verwandte Sprachen sind – doch alles ist relativ. Während der ersten Lernjahre stehen vor allem sprachpraktische Ziele im Vordergrund, die mündliche und später auch schriftliche Kommunikation. Ab Klasse 9 wird zunehmend auf Lerninhalte Wert gelegt, die Fragen des gesellschaftlichen, kulturellen und teils wirtschaftlich-politischen Lebens Deutschlands in den Unterricht einbeziehen. Ein tieferes Verständnis für die Besonderheiten und Eigenarten der deutsch-sprachigen Völker dient der interkulturellen Erziehung. Und bei der Behandlung der gegenwärtigen Pro-bleme gilt das Bestreben, auch etwaige historische Hintergründe miteinzubeziehen. Um diesen Forderungen nachzukommen, sind in Ismail in den letzten Jahren diverse Neuerungen durch-geführt worden.
Eine Schule mit neuem Gesicht Nachdem die Bildungslandschaft der Ukraine nun endlich in einer erkennbaren Richtung sich in Bewe-gung gesetzt hat, die vierte und die zwölfte Klasse wieder eingeführt und ein völlig überarbeitetes Cur-riculum für moderne Fremdsprachen verabschiedet wurden, haben sich auch an der Schule Nr. 16 ein-schneidende Veränderungen ergeben, die vor allem der Vorbereitung und den Leistungen beim Deutschen Sprachdiplom zugute kommen. Die Mittelschule Nr. 16 hat sich profiliert. Was bedeutet dies? An der Schule gibt es seit Beginn des Schuljahres 2003/2004 ein sprachliches Profil. Ab der 10. Klasse teilen sich die Jahrgangsstufen in zwei Zweige, wobei der eine zum bisher üblichen Mittelschulabschluss führt, und der zweite, neue Zweig einen gymnasialen Abschluss bietet. Der Gymnasiumszweig legt seinen Schwerpunkt auf moderne Fremdsprachen, wobei hauptsächlich der DaF-Unterricht gestärkt wird: Eine Stunde Deutsch im Regelunterricht zusätzlich und außerdem werden die Schüler jeden Samstag in jeweils zwei Stunden Deutsch und Englisch unterrichtet. Dieser Samstags-unterricht geschieht in Zusammenarbeit mit der Universität und die Schüler werden auch von Hochschul-lehrern in Räumen der Universität unterrichtet. Interressant bei diesem Modellversuch ist vor allem, dass der vor Ort tätige Programmlehrer entschei-denden Einfluss sowohl auf die inhaltliche als auch methodische Gestaltung des DaF-Unterrichtes neh-men kann.
Neue Bücher braucht das Land Ein Wandel von Schule und deren Inhalte bedingen sich durch einen andauernden Gesellschaftswandel, und weil Schule, deren Inhalte und Methoden auf dem ältesten, solidesten Fundament der Unterrichts-tätigkeit, dem Lehrbuch stehen, muss auch das Fundament stets erneuert werden, dass das Gebäude nicht Gefahr läuft irgendwann einmal zusammenzubrechen. Doch neue Lehrbücher waren bisher in der Ukraine stets ein heikles Thema. Erlaubt durch das Bildungs-ministerium waren bisher lediglich ukrainische Lehrbücher, konzipiert nach alten Prinzipien von Metho-dikern, die noch in altem Denken harrten. Diese Hürde ist überwunden und moderne DaF-Lehrwerke aus Deutschland haben ihren ministeriellen Segen erhalten. Doch Bücher aus Deutschland sind teuer und das Budget ukrainischer Schulen so mager wie Twiggy zu ihren besten Zeiten. Also wurde in Ismail gemeinschaftlich nach neuen Wegen gesucht – die letztendlich auch gefunden wurden. In einer in der Ukraine wohl einmaligen Aktion konnte innerhalb von zwei Jahren eine vollständige Um-stellung der ersten bis zu den elften Klassen zu neuen, modernen, in Deutschland konzipierten Lehr-werken erreicht werden. Es waren die Eltern, die der Schule unter die Arme griffen und das Geld für den Kauf der Bücher zur Verfügung stellten. Dies ging natürlich nicht auf Anhieb, unzählige Elternabende waren notwendig, um den Eltern dieses Projekt zu erklären und vor allem als seriös zu verkaufen. Schließlich haben alle Familien von der ersten bis zur elften Klasse eine bestimmte Summe bezahlt, von der für alle Schüler der Schule der entsprechende Lehrwerkskomplex gekauft werden konnte (reale Verlaufszeit zwei Jahre). Eine einmalige Ausgabe für die Eltern, da die Lehrbücher ohne zusätzliche Kosten im darauffolgenden Jahr von der oberen Klasse übernommen werden können – es ist die simple Rechnung der Rentenzahlung, in der die jungen Jahrgänge für die Älteren einzahlen (was, wie wir alle be-fürchten, in Deutschland bald nicht mehr funktionieren wird!). Natürlich rechnet sich dies in den ersten Jahren für die unteren Klassen weitaus profitabler als für die Abschlussklassen, aber hier waren individuelle Gespräche und gewisse Ausgleichszahlungen nötig und auch erfolgreich. Alle zogen an einem Strang! Und somit können wir seit dem Schuljahr 2002/2003 in Ismail folgende Lehrwerke einsetzten: 1. Klasse: TamTam Wenn im nächsten Jahr die nächste Einschulung bevorsteht, wiederum der obligatorische Lehrwerks-beitrag eingezogen wird, können nicht nur fehlende Lehrwerke beschafft, oder beschädigte ersetzt wer-den, es ist auch Geld vorhanden für zusätzliche Materialien (Klassensätze literarischer Werke, Foto-kopiermaterial und andere für den Fachbereich Deutsch notwendige Anschaffungen).
Schreiben, wo (was) man schreiben darf (will): Engagement mit Kreativität Kreativität ist keine Musengabe, sie ist erlernbar. Sie braucht allerdings einen Boden, auf dem sie gedeihen kann, sie braucht aber auch Unterstützung und Pflege, um zu wachsen und damit sie Früchte trägt. Dabei ist der Lehrer ein Gärtner, der äußerst behut-sam zu Werke gehen muss. Selbst die wildesten Triebe, dem Baume scheinbar schädlich – weil er sonst nicht mehr in die Parklandschaft passt – können die wunderbarsten Früchte abwerfen, wohingegen manch anmutig wirkender Schößling sich später als so interessant entpuppt wie eine leere Videokassette. Deshalb war es naheliegend, dass ein Feld zur Verfügung gestellt wurde, auf welchem sich die Schüler mit ihren eigenen Ideen verwirklichen können. Mit einer deutschsprachigen Schülerzeitung konnte diese Idee umgesetzt werden. Und diese Schülerzeitung der Schule Nr. 16 in Ismail ist zu einem Dauerprojekt geworden, das für jeden engagierten Lehrer ein überaus dankbarer und energiespendender Kleingarten in der Schullandschaft darstellt. Die ersten ´Sitzungen` zeichneten sich durch die für viele Schüler so typischen Fragen „was sollen wir schreiben?“ oder „über welches Thema darf ich schreiben (ohne Probleme zu bekommen)“ aus. Und es dauerte seine Zeit, bis die Jungjournalisten flügge wurden und in die (subtil kontrollierte) Selbständigkeit entlassen werden konnten. Erfreulich ist es zu beobachten, wie durch das Recherchieren und Schreiben über Themen, die die Schüler selbst wählen, weil sie sich auch dafür interessieren und die Redaktionssitzungen, Demokratieverständnis und Kritikfähigkeit geschult werden – vor allem die zweitgenannte Kompetenz ist eine in ukrainischen Schulen schwer zu züchtende und schnell austrockenbare Pflanze. Mit einer Hand voll Schüler der damaligen elften Klasse hat es vor anderthalb Jahren angefangen und jetzt zur vierten Ausgabe engagieren sich mit kreativen Ideen über ein Dutzend Schüler von der neunten bis zur elften Klasse.
Perspektiven und Hoffnungen Die Schule Nr. 16 in Ismail hat Zukunft, vielleicht sogar eine große Zukunft vor sich, wenn der in den letzten Jahren eingeschlagene Weg konsequent weitergeführt wird. In nur fünf Jahren – eigentlicher Beginn der DSD-Arbeit kann auf September 1999 datiert werden – konnte die Zahl der Prüflinge von 1 auf 11 gesteigert werden. Mit jungen Lehrkräften, die sich verstärkt auf moderne Methodiken und intensive DSD-Arbeit einlassen, mit einer Schulleitung, die das DSD nicht nur als ein teils lästiges Zusatzbonbon betrachtet, sondern es voll integriert und sich darüber definiert, einem Bürgermeister und einer Ausbildungsabteilung, die mit allen Kräften diese DSD-Schule unterstützen, kann – ohne zu übertreiben – in den nächsten Jahren die DSD-Schülerzahl um 50-100% gesteigert werden und hat dann das erreicht, wozu das Prüfungszentrum in Odessa mit meistens zwei Programmlehrern über zehn Jahre benötigte! Aber auch ein beinahe schwärmendes Hoffen belebt die Arbeit in dieser Schule. Ein Hoffen auf Konti-nuität bei der Zusammenarbeit mit der deutschen Seite. Es gab nämlich zwischen Mitte und Ende der 90er Jahre zwei Rückschläge für Ismail als DSD-Standort – mit Sicherheit nicht Schuld der Schule. So geht denn und verkündet: „Eine Schule ist euch geboren, die der Menschheit und der deutschen Kul-turpolitik – selbst in Kiews Außenstelle - Freude bereiten wird.“ |
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